OFFENER BRIEF AN DEN MINISTERPRÄSIDENTEN DES SAARLANDES

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Entgegnung der Fridays for Future zu den Äußerungen des Ministerpräsidenten Hans in „Aktueller Bericht“/„Aktuell“ des SR am 7.11.2021:

„Ich glaube nicht, dass es möglich ist, in den wichtigen Fragen des Strukturwandels die radikalen Ideen von Fridays for Future mit den Interessen der Industrie zu versöhnen. (…)

Ein Industriearbeiter, der bei „Dillinger“ Bleche formt, die am Ende bei Windkraftanlagen offshore eingesetzt werden, der trägt mehr dazu bei, dass Klimaneutralität erreicht wird, als solche Aktivisten, die freitags auf die Straße gehen.“

Die Fridays for Future im Saarland begrüßen es sehr, dass der Ministerpräsident sich unsere Vorstellungen zu eigen macht, die Industrie, darunter die Stahlproduktion in Dillingen, zukunftssicher zu machen mit dem Umbau zu einer Produktion, die auf erneuerbare Energien ausgerichtet ist. Leider lässt er jegliche Logik vermissen, wenn er genau diese von Fridays for Future und der gesamten Klimagerechtigkeitsbewegung vertretenen Ideen gegen uns in Stellung bringt.

Das ist, wenn auch in etwas gehobener Sprache, das Aufwärmen der sattsam bekannten Stammtischparolen, die Forderungen der Klimaschutzbewegung würden auf die Vernichtung von Arbeitsplätzen hinauslaufen.

Die Beratungsfirma McKinsey – sicherlich kein Ableger der Fridays for Future – hat in ihrer Untersuchung von Dezember 2020 zur Klimaneutralität in der EU ausgerechnet, dass der einhergehende Umbau der Wirtschaft in Summe sogar mehr Arbeitsplätze schafft als vernichtet. Siehe den Bericht in DER SPIEGEL Nr. 28/2021


Quelle:
https://fffutu.re/6z73xG

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

bitte machen Sie keinen Wahlkampf auf dem Rücken der jungen Generation, die ihre Ideen gar nicht selbst erfunden hat, sondern nur fordert, was laut allgemein anerkanntem Kenntnisstand der Klimaforschung und Aussage nahezu aller seriöser Fachleute zum Erhalt der globalen Überlebensvoraussetzungen notwendig ist!

Sie lassen mehrere Fakten außer Acht: Fridays for Future steht für Klimagerechtigkeit ein und das heißt, dass beim Umbau der Wirtschaft niemand zurückgelassen werden darf. Wir stehen Seite an Seite mit den Gewerkschaften im Saarland. Klimaschutz und sichere, fair bezahlte Jobs sind Teil desselben Kampfes für mehr Gerechtigkeit.

Die Realität der menschengemachten Vielfachkrisen (Klimakatastrophe, Artensterben, soziale Ungleichheit etc.), die unsere Überlebensvoraussetzungen gefährdet, fordert schon heute tausende Menschenleben – auch bei uns, wie z. B. die Flutkatastrophe im Juli oder geschätzt 20.000 Hitzetote im Jahr 2018 in Deutschland.

Die wirtschaftlichen Schäden durch die Klimakatastrophe werden von Expert*innen um ein Vielfaches höher beziffert als die Investitionen in einen notwendigen konsequenten Klimaschutz. Erst im April hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe das Bundesklimaschutzgesetz in Teilen für verfassungswidrig erklärt. Aktuell läuft auch eine Verfassungsbeschwerde gegen die saarländische Landesregierung, da sie wegen fehlender rechtlich verbindlicher Klimaschutzziele die Grundrechte der Beschwerdeführer*innen (zwei Aktivist*innen von Fridays for Future Saarland) mutmaßlich verletzt.

Dies alles ist zu ernst für billige Polemik, die in alter, überholter Manier die Zielkonflikte zwischen Umwelt- und Klimaschutz und sozialer Absicherung als unlösbar darstellt.

Schüren Sie bei den Bürger*innen nicht die Ängste vor Desindustrialisierung und sozialem Abstieg! Sozial-ökologisch nachhaltiges Wirtschaften ist möglich! Es zählt vor allem der politische Wille!

Trumpfen Sie und Ihre Partei daher doch lieber mit den besseren Konzepten für eine zukunftsfähige, generationen- und sozial gerechte Politik!

Mit klimafreundlichen Grüßen
Fridays for Future Saarland

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Entgegnung der Fridays for Future zu dem, was Ministerpräsident Hans am 7. November 2021 in der Fernsehnachrichtensendung „Aktueller Bericht“/„Aktuell“ (Saarländischer Rundfunk) gesagt hat

Seine Worte waren wie folgt:

„Ich glaube nicht, dass es möglich ist, in den wichtigen Fragen des Strukturwandels die radikalen Ideen von Fridaysfor Future mit den Interessen der Industrie zu versöhnen. (…)

Ein Industriearbeiter, der bei „Dillinger“ Bleche formt, die am Ende bei Windkraftanlagen offshore eingesetzt werden, der trägt mehr dazu bei, dass Klimaneutralität erreicht wird, als solche Aktivisten, die freitags auf die Straße gehen.“

Wir von Fridays for Future im Saarland finden es gut, dass der Ministerpräsident mit unseren Ideen einverstanden ist. Zur Industrie gehört auch die Stahlproduktion in Dillingen. In der Stahlproduktion in Dillingen werden Bleche hergestellt. Diese Bleche werden für den Bau von Windkraftanlagen gebraucht.

Windkraftanlagen gehören zu den erneuerbaren Energien. Im Gegensatz zu Energie aus Kohle, Gas, Öl, Diesel oder Benzin produzieren diese neuen Energien keine Gase wie Kohlenstoffdioxid (Kurzbezeichnung CO2), die den Treibhauseffekt verursachen, der dafür sorgt, dass die Erde sich immer weiter aufheizt, was unsere natürlichen Lebensgrundlagen durch zunehmende Naturkatastrophen extrem verändert.

Der Ministerpräsident (Regierungschef) des Saarlandes, Tobias Hans, hat im Radio und Fernsehen erwähnt, dass ein Arbeiter im Stahlwerk Dillinger Hütte mehr für den Klimaschutz tut, als ein Klima-Aktivist von Fridays for Future, indem er auf die Straße geht und von den Politikern eine bessere Arbeit beim Schutz des Klimas einfordert.

Das sehen wir von Fridays for Future Saarland anders.

Unsere Forderungen bedeuten nicht, dass es weniger Arbeitsplätze geben wird. Wissenschaftler haben Untersuchungen gemacht. Das bedeutet, sie haben ganz genau geprüft, ob es wirklich weniger Arbeitsplätze geben, wenn wir in der EU klimaneutral werden (das heißt keine Gase mehr in die Luft abgeben, die zur Erhitzung der Erde führen).

Diese Untersuchungen zeigen, dass durch die Klimaneutralität in der EU mehr neue Arbeitsplätze entstehen als alte verloren gehen. Das heißt, dass es insgesamt sogar mehr Arbeitsplätze geben wird, wenn wir klimaneutral werden. Durch die Umstellung auf erneuerbare Energien muss also niemand arbeitslos werden.

Dazu kann man sich den Bericht im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL Nr. 28/2021 anschauen.

Wir haben dem Ministerpräsidenten einen Brief geschrieben, den wir auch dem Fernsehen, den Radiosendern und den Zeitungen zugesendet haben.

„Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
bitte machen Sie im Wahlkampf nicht die jungen Menschen von Fridays for Future schlecht. Die Fridays for Future haben ihre Ideen nicht selbst erfunden.

Fridays for Future fordert nur Dinge, die nach Einschätzung fast aller Klimawissenschaftler getan werden müssen, um das Überleben der Menschen auf der ganzen Welt zu sichern.

Sie berücksichtigen ein paar Dinge nicht: Fridays for Future steht für Klimagerechtigkeit.

Das heißt, dass beim Umstellung der Wirtschaft auf einen konsequenten Klimaschutz niemand zurückgelassen werden darf, niemandem darf es dadurch schlecht gehen, schon gar nicht den Menschen, die jetzt schon wenig Geld haben.

Wir sind regelmäßig im Kontakt mit den Gewerkschaften im Saarland und wollen, dass unsere Ziele zusammen erreicht werden.

Klimaschutz und sichere, fair bezahlte Jobs sind ein Teil des Kampfes für mehr Gerechtigkeit.

Die menschengemachten Krisen (Klimakatastrophen, Artensterben, soziale Ungleichheit etc.), die unser Überleben gefährden, sorgen schon heute für viele Todesopfer. Auch hier in Deutschland, wie z. B. die Flutkatastrophe im Juli im Ahrtal und anderen Gebieten. Im Jahr 2018 gab es ungefähr 20.000 Tote durch die extreme Hitze in Deutschland. Es kommt immer öfter zu diesen Katastrophen.

Bitte machen Sie den Bürgern keine Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen in der Industrie und vor Armut durch die dringend notwendigen konsequenten Klimaschutzmaßnahmen!“

Fridays for Future Saarland

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