Klimanotstand endlich ernst nehmen! Aschermittwochsdemo gegen Flächenfraß

Klimanotstand endlich ernst nehmen! Aschermittwochsdemo gegen Flächenfraß

Das Bürgernetzwerk der 4 Bürgerinitiativen zum Schutz des Waldes, ProBI, veranstaltete am 17. Februar 2021 auf dem Gustav-Regler-Platz am Rathaus Saarbrücken zusammen mit über 100 Demonstrantant*innen und Klimaschutzbewegungen gegen den enormen Flächenfraß von Wald- und Grünflächen der Landeshauptstadt Saarbrücken, die trotz Klimanotstands unvermindert Naturflächen versiegeln lässt statt Brachflächen zu nutzen.

Laut Umweltministerium werden durchschnittliche 2.000 m² Boden JEDEN Tag im Saarland versiegelt. Unser Bundesland liegt damit auf einem traurigen zweiten Platz nach NRW mit der meisten Flächenversiegelung. Es mangelt an einer nachhaltigen Bodenschutzpolitik, Herr Jost!

Neben den Redebeiträgen der Bürgerinitiativen ProBI Saarbrücken und ProWald Gersweiler, sowie BUND Saarbrücken, Extinction Rebellion Saar und der saarländischen Europaabgeordneten Manuela Ripa (ÖDP) sprach auch die Klimaschutzaktivistin Lara Wörner von Students for Future.

Der Redebeitrag im Wortlaut:

Wir sind schockiert und traurig über die massiven Rodungen im Gersweiler Wald. Der weitere Verlust unzähliger gesunder Laubbäume ist in Zeiten der Klimakrise unverantwortlich und vor allem hinsichtlich des von der Stadt erklärten Klimanotstands nicht zu rechtfertigen. 

Wir sind entsetzt darüber, wie hier bei uns, genauso wie weltweit, planetare Grenzen ignoriert und wirtschaftliche Interessen immer und immer wieder über den Erhalt unserer Umwelt gestellt werden. Wir können nicht immer weiter bauen und immer größer wachsen, auf einer Erde, deren Ressourcen begrenzt sind. Die Rodungen in Gersweiler sind EIN Beispiel unter vielen, das zeigt: Ein System, dessen erklärtes Ziel unbegrenztes Streben nach Profit ist, macht effektiven Klimaschutz unmöglich.

Dieses System muss in Zukunft neu gedacht werden. Wirtschaften müssen zum Ziel haben, allen Menschen auf der Erde eine Perspektive zu bieten und nicht den Reichtum Einzelner auf Kosten Anderer und unserer Ökosysteme bis ins Unendliche zu vermehren. Nur wenn wir die Grenzen unseres Planeten respektieren, ist es möglich eine gerechtere Zukunft zu gestalten. Eine Zukunft frei von Hunger, finanzieller Not und ohne die fortschreitende Zerstörung von Lebensräumen und Lebensgrundlagen.

Umwelt- und Klimazerstörung verstärken nicht nur bestehende Ungerechtigkeit, sondern beruhen auch immer auf der Ausgrenzung von Menschen und ihren Bedürfnissen. Wirksamer Klimaschutz erfordert also eine Gesellschaft, die einschließt, statt auszugrenzen. Eine Politik und ein gesellschaftliches Klima, in dem die Bedürfnisse aller Menschen unabhängig von ihrer sozialen Stellung, ihrer Nationalität, ihrer Religion und ihrem Wohnort endlich priorisiert werden – und nicht mehr dem Streben nach wirtschaftlichem Wachstum oder politischen Machtinteressen Vorrang eingeräumt wird. 

Die von rechts oft vorgebrachte Sichtweise, Klimaschutz diene primär dem Heimatschutz, beruht auf einem zu kurz gedachten Heimatbegriff. Die Heimat aller Menschen ist die Erde, und diese bietet die nötigen Ressourcen ALLEN Menschen ein würdiges und sicheres Leben zu ermöglichen. Allerdings ist dazu der gerechte Zugang zu Ressourcen und der Schutz lebenserhaltender Ökosysteme notwendig, dies wird jedoch momentan von reichen, meist westlichen Staaten auf Kosten der Ärmsten ignoriert.

Die Klimakatastrophe und die Zerstörung von Ökosystemen im Allgemeinen sind globale Krisen. Die Folgen betreffen alle Menschen, ohne sich an nationalen Grenzen zu stören. Daher müssen Lösungen global gedacht werden. Betroffene Menschen, ganz besonders auch Menschen im globalen Süden, und ihre Bedürfnisse, ihre Wünsche und ihr Anspruch auf eine gerechtere Zukunft müssen Gehör finden. Das alles spricht uns aber nicht frei von unserer Verpflichtung, lokal verantwortungsvoll zu handeln, um ein Teil dieser Lösungen sein zu können. Die Zerstörung von Lebensräumen findet überall statt, nun eben auch hier in Gersweiler.

Wir müssen rücksichtslose Ausbeutung unserer Umwelt überall beenden, und wo wäre ein besserer Ort damit zu beginnen als direkt vor unserer Haustür?

Die Baumfällungen in Gersweiler führen uns vor Augen, dass Umweltzerstörung uns auch direkt betrifft. Es schockiert uns umso mehr, dass Saarbrücken, eine Stadt die sich seit 2019 im Klimanotstand befinden sollte, diese Zerstörung auch noch gut heißt.

In Zeiten der fortschreitenden Klimaerhitzung ist uns unverständlich, wie gewählte Vertreter*innen es verantworten können die weitere Zerstörung unserer Ökosysteme zu dulden und sogar zu genehmigen. Das setzt ein völlig falsches Zeichen. Besonders aktuell, in Zeiten der Coronakrise, die die Folgen der Zerstörung von Ökosystemen so deutlich spürbar macht, ist dies ein absolut unverständliches Vorgehen. Diese Umweltkatastrophe, die unser aller Leben in bisher nicht gekanntem Ausmaß beeinflusst, sollte doch endgültig klar machen, dass es so nicht weitergehen kann.

Wir fordern daher die Stadtverwaltung auf, sich endlich ihrer Verantwortung für Klima- und Umweltschutz zu stellen und auch entsprechende Entscheidungen zu treffen.

Gerodete Flächen müssen wieder aufgeforstet werden, und es müssen Anreize für Unternehmen geschaffen werden, Umwelt- und Klimaschonend zu wirtschaften. Das bedeutet, dass langfristige wertvolle Klimaziele über kurzfristige wirtschaftliche Vorteile gestellt werden müssen.

Wir fordern, dass der Klimanotstand in Saarbrücken endlich ernstgenommen wird und es nicht wie bisher bei leeren Worten bleibt.

Wir wollen Klimagerechtigkeit, Jetzt und für alle Menschen!

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Rune

Mitbegründer von Parents for Future Saarland Kümmerte sich 50 Jahre nicht ums Klima, kämpft aber die nächsten 50 Jahre für wirksamen Klimaschutz zum Wohle der nachfolgenden Generationen

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